Liebe Leser,
wie ihr vermutlich bemerkt habt fehlen seit dem 18. März neue Einträge. Ich hatte mich entschlossen diesen Blog vorerst ruhen zu lassen, da die Situation in Japan sich selbstverständlich nicht innerhalb von ein paar Wochen so ändern wird, dass ich ohne Bedenken meine Reisevorbereitungen weiterführen kann. Des Weiteren war mir einfach nicht nach Schreiben zu Mute, nachdem ich die vielen Bilder gesehen, von tausenden Schicksaalen gelesen, schlecht recherchierten Nachrichten der Deutschen ertragen und die vielen Menschen um mich rum beruhigt habe. Da ich auch nicht vor Ort bin, ist es auch relativ sinnlos meinen Senf auch noch dazu zu geben, das machen schon mehr als genügend Leute.
Ich bin einigen dankbar für die Gespräche, in denen ich verschiedene Meinungen zu meinem Aufenthalt in Japan hören konnte. Einigen bin ich nicht dankbar. Panik zu verbreiten und mich an den Schultern zu ergreifen, zu schütteln und zu rufen "GEH NICHT MARTINA!!" haben wenig Sinn -__-;
Inzwischen habe ich mit vielen Leuten gesprochen, die in Japan geblieben, wieder nach Japan zurückgekehrt oder von einem Urlaub wieder heimgekehrt sind. Sie alle berichten das Gleiche: Keine gesundheitsgefährdende Strahlung in Tokyo (von absolut vertrauenswürdigen Quellen), Nachbeben sind zwar undschön aber erträglich, das Stromsparen ist nur halb so wild und war eh dringend nötig (nachdem die Japaner ja jeden Sommer ihre Kaufhäuser, etc. auf gefühlte 18°C kühlen bei einer Außentemperatur von 35°C -__-;;;) und der beste Satz, den ich hier gerne zitieren möchte: "In München habt ihr mehr Strahlung als in Tokyo!" *G*
Ich habe mich zwar immer noch nicht 100%ig entschieden, ob ich nun letztendlich gehen oder ob ich mir lebenslang in den Hintern beissen werde. Das werde ich auch von dem abhängig machen, was K.先生 und die japanische Uni dazu sagt. Ich selbst hasse den momentanen "Schwebezustand" wie die Pest und möchte deswegen zumindest wieder anfangen regelmäßig zu schreiben, denn sonst wäre der Blog eine Verschwendung und mein Projekt diesen Blog so informativ, lustig und lebensnah zu gestalten dahin. Ausserdem wollte ich keinen Blog, in dem ich mit den Worten "Ich bin heute angekommen!" beginne. Ich möchte zukünftige Austauschstudenten ermutigen auf dem langen Weg bis zum eigentlichen Abflug nicht aufzugeben, kleine Denkanstöße liefern, aktuelle Themen in Japan aufgreifen, von meinen Erfahrungen erzählen und vor allem meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland ohne tausend Rundmails von meinem Leben berichten.
Ich hoffe, dass ihr mir den kleinen "Aussetzer" verzeiht . . . mit solchen Umständen habe ich noch vor ein paar Monaten wirklich nicht gerechnet.
Meine Gedanken sind immer noch bei den vielen Menschen, die ihre Familie, Freunde, zu Hause oder ihr Leben verloren haben. Ich hoffe dass Japan nach dieser Katastrophe wieder die Kraft finden kann aufzustehen und noch stärker wird als je zuvor. Aus jedem Schlechten kann man auch etwas Gutes machen und ich hoffe, dass ich Japan damit unterstützen kann, indem ich eine der Personen bin, die nach Tokyo geht und den Menschen zeigen kann: Es ist zwar nicht alles in Ordnung, aber es wieder besser!!!
Liebe Grüße,
Eure Martina
Eure Martina
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