Hallo liebe Leser,
nachdem Caro und ich nach dem gestrigen Karaoke erst Mal ordentlich ausgeschlafen hatten, machte ich mich für einen Theaterbesuch bereit und Caro fuhr dann wieder nach einer kleinen Shoppingtour und einem Firsörbesuch wieder heim. Theaterbesuch? . . . jaha! ^__^ Meine liebe, liebe Schülerin A. hatte mich zum japanischen Puppentheater, Bunraku, eingeladen.
Ich war extra mega überpünktlich und fand aber zum Glück alles ganz gut. Und dann passierte wieder mal eine blöde ziemlich rassistische Sache (wie öfter in letzter Zeit). Das Theater besuchen eher ältere Leute und es gab zwei Bänke vor dem Gebäude. Ich setzte mich, da mir eh schon bewusst war, dass ich als Ausländerin ziemlich auffalle, auf den ganz linken Rand. Der Platz füllte sich langsam, auf der anderen Bank saßen sie wie die Hühner auf der Stange . . . nur meine Bank war bis auf zwei ganz mutige Japaner leer. Ich wollte mir ein wenig die Füße vertreten, stand auf und als ich wieder bei der Bank ankam . . . war diese so unglaublich voll, dass ich mich gewundert habe, woher die ganzen Leute auf ein Mal gekommen waren. Liebe Japaner . . . das war FIES T__T
Auf jeden Fall gibt es aber auch nette Japaner! Jawohl! Ich wurde nämlich ein wenig nervös, als es bereits 10 Minuten nach verabredeter Zeit war und A. immer nich da war. Dann wurden aber die Theatertüren geöffnet und eine etwas ältere Dame kam auf mich zu und fragte mich sehr lieb, ob ich nicht Martina, A.s Lehrerin sei. Ich war vollkommen überrumpelt von der Freundlichkeit, dass ich nur stammeln konnte ^__^" Meine Schülerin kam dann aber auch sofort und wir wurden vorgstellt. Die nette Dame war eine Freundin von A. und sie hatte uns die Chance gegeben Backstage beim Bunraku zu gehen T__T *freu*
Wir gingen also zum Bühneneingang und ich schwöre, ich habe mich noch nie SO OFT verbeugt wie dort *hahaha* Naja, es sind auch viele hochrangige Puppenspieler, z.T. lebende Weltkulturerben darunter!!!! Unser lieber Guide war Herr Yoshida, der sehr offen und locker war ^__^v Er zeigte uns einige Puppen und ich durfte sogar selbst Hand anlegen!!! *staun* Eine Bunraku Puppe wird eigentlich von 3 Spieler bewegt: Der Hauptspieler, der den höchsten Rang hat, spielt den Kopf und die rechte Hand. Der zweite Spieler bewegt die linke Hand und der dritte Bewegt die Füße (bei männlichen Puppen) bzw. den Kimonosaum (bei weiblichen Puppen). Wenn man die Puppe auf Hüfthöhe hält, dann ist sie angenehm zu tragen. Die wirkliche Tragehöhe liegt allerdings höher und wird mit ausgestrecktem Arm ausgeführt . . . AUTSCH! Das ist SCHWER! Und die Puppenspieler halten zum Teil EWIG durch! Die Stücke dauern ziemlich lang O__O; Schwestarbeit! Unser Guide war auch ziemlich alle, weil er im Stück zuvor die schwierige Aufgabe hatte, den Fußpart zu übernehmen und deswegen die ganze Zeit gebückt laufen musste T__T
Wir durften auch die Bühe sehen, die bereits die Szenenbilder für das Stück hatte, das wir anschauen würden ^////^ Der graue Klotz ist eigentlich ein Brunnen zum Händewaschen und spielt im Stück "Das Refugium des Meisterkünstlers Tosa Shogen" eine große Rolle.
Das Schuhregal beherrbergt die handgefertigten Schuhe der Spieler. Je nach Größe muss ein wenig variiert werden, um die Puppen auch alle auf gleicher Höhe halten zu können. Als Scherz bat mir Herr Yoshida sein paar Schuhe an *hahaha* Er war wirklich sehr lieb und ich bin ihm sehr dankbar, dass er trotz seiner anstrengenden Rolle noch Zeit für mich gehabt hatte *schnief*
Wir bedankten uns alle ganz lieb und danach liefen wir gleich ins Theater zurück und nahmen unsere WIRKLICH guten Plätze in der 4. oder 5. Reihe ein O__O *happy* Das erste Stück war das eben erwähnte und handelte von einem Meister der Malkunst und seinem stotterndem Schüler. Die Puppenspieler müssen nicht reden, das übernimmt ein "Vorleser", der die verschiedenen Stimmen alle selbst spricht. Dazu kommt ein Musikant, der das Shamisen spielt. Im Bunraku gibt es nur Männer, d.h. auch die Frauenstimmen werden von Männern gesprochen. Das gesprochene Japanisch ist klassisches Japanisch und deswegen auch nicht unbedingt immer einfach für Japaner zu verstehen. Zum Glück gibt es Audioguides in Englisch, die nicht nur das Gesprochene übersetzten, sondern auch Zusatzinformationen zu dem Stück und Bunraku liefern!!!
Das zweite Stück namens "Der Sakeladen" handelt von einer dramatischen Liebesbeziehung zwischen dem Sohn des Sakeladenbesitzers und der Prostituierten Sankatsu und deren Doppelselbstmord aus Liebe füreinander, weil sie niemals öffentlich zusammen sein können.
In der großen Pause lud mich meine Schülerin auf ein äußerst leckeres japanisches Essen ein ;__; Es waren köstliche kleine Häppchen, wie Sashimi, gekochtes Gemüse, Shrimpklöse, Ei, usw. Eine Wohltat für Auge und Magen ^.^v *schmatz* Das war fein! (auch wenn ich mich ein wenig bei den Shrimps blamiert habe *lach*)
Anschließend kam der Höhepunkt des Abends: Eine Geschichte aus dem Heike-monogatari, einem Klassiker der japanischen mittelalterlichen Literatur. Auf Basis dieser Erzählung des Kampfes zwischen dem Taira- und dem Minamoto-Klan wurden unzählige Theaterstücke aufgebaut. Unsere Geschichte war "Die Kampfgeschichte des Helms von Dan-no-ura", mit der Untergeschichte "Akoya wird mit Musikinstrumenten gefoltert und ausgefragt". Es geht um die hochrangige Prostituierte Akoya. Sie ist die Geliebte von Kagekiyo, einem flüchtigen Feind, den zwei Edelmänner suchen. Der eine Edelmann ist freundlich, der andere jähzornig und böse. Am Ende wird die arme Dame nicht durch die Wasserfolter, sondern duch das Spielen auf Instrumenten gefoltert. Die Folter daran: Sobald sie einen Fehler macht, lügt sie. Das tolle an dem Stück ist, dass nicht ein Erzähler alle Stimmen übernimmt, sondern dass jede Puppe ihre eigene Stimme bekommt. Zusätzlich wird nicht nur das Shamisen, sondern auch die Koto und die Kokyu gespielt. Ein Fest für das Ohr und das Auge also. Die Puppe der Akoya ist sehr raffiniert. Sie bewegt die Finger so unglaublich echt, als würde sie die Instrumente wirklich spielen! O__Ov![]() |
| (C) Sakura-Zen |
Manchmal war es seltsam, dass man die Puppenspieler sehen konnte (siehe auch Bild aus dem Internet rechts). Aber nach einer Weile konnte man die Spieler ausblenden. Da ich ja auf der BOS in München Marionettentheater gespielt habe, fand ich diese Erfahrung äußerst interessant! Wenn ihr irgendwie die Chance habt, dann ergreift sie und schaut euch Bunraku an!!! Es macht wirklich VIEL Spaß!!!
Am Ende kaufte ich mir noch zur Erinnerung einen Hello Kitty Anhänger von der Shamisen spielenden Akoya =^__^= Ein Bus für die Theaterbesucher fuhr zufällig genau bis nach Shinjuku-sanchome und ich furh überglücklich mit der Fukutoshin-Linie nach Hause und war dann nach ein bisschen Skpen hundemüde und reif für's Bett ^__~ Was für ein Tag!
Viele liebe Grüße,
Eure Martina
Quellen:
Bunraku: http://sakura-zen.blogspot.jp/2011/01/art-of-puppetry-bunraku.html

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